Musik ist kein Hobby V2

Niemand, absolut niemand mag Uwe Boll! Ich bin mir nicht mal sicher ob Uwe Boll Uwe Boll mag. Zumindest muss ich ihm aber zugestehen, dass er in den seltenen Momenten, wenn man ihm nicht die Möglichkeit gibt, auf den Boden zu kacken, sondern ihn z.B. durch eine Videothek führt, er liebevoll von objektiv interessanten und ungewöhnlichen Filmen spricht. Geschmack scheint vorhanden zu sein, Talent nicht unbedingt oder zumindest nicht immer.

Screenshot von Rottentomatoes.com

Von diesem Rant gab es eine V1. Diese hätte ich natürlich in diese Version dieses Blogs übertragen können. Doof nur, dass das Problem selbst diesem Rant applaudiert hat. Zugegeben keine ungewöhnliche oder seltene Ironie. Ungewöhnlich auch nicht all die Dinge, die ich in V1 angemahnt habe. Eine sich selbst fressende Kombination aus hochmotivierten „Veranstaltern“, die es nicht verstehen, dass Techniker, Unterkünfte und Benzin tatsächlich Geld kosten und lieber hochharmonisch darauf vertrauen, dass wir in der Szene™ ja alle zusammen gehören; Publikum dass eigentlich nur auf die Aftershowdisco wartet und im unbeachtetem Mittelpunkt: Der Hobbymusiker, gerade das erste Album draussen (natürlich im „eigenen Studio“ aufgenommen, autobiografisch und soooo viel Herzblut) und jetzt vor der Aufgabe stehend, den klanggewordenen Erguss irgendwie live ohne Autotune und Timeshift dahinzuspielen oder die Sache gut genug zu faken. Zweiteres ist übrigens vorzuziehen, weil dann nicht all die Kabel, all die Monitore, all die Verstärker und all die Effekte an all den Keyboards…..*lufthol* …. gerade heute (und natürlich nur heute!) spontan versagen können. Nein, ich habe kein Ladekabel fürs iPad!

Ja, das ist schlecht und bedauerlich und überhaupt. Und die Jugend von heute mit ihren Computern und MP3s klingen eh viel schlechter als Vinyl (nein, tun sie nicht! Googelt „Rauschabstand“) und so weiter, ja alles schlimm! Aber darum schreibe ich das hier alles nicht. 12 Jahre nach ZwischenWelt ist mir, mit gehörigem Abstand zu meinem eigenen Werk etwas aufgefallen: Meine Musik, war größtenteils…… ziemlich schlecht!

Über Sehnsucht habe ich mich schon so sehr ausgelassen, dass es sogar auf Wikipedia steht, ZwischenWelt war definitiv gut gemeint aber bei der Hälfte der Lieder haben wir (und damit meinte ich hauptsächlich mich, die Bandkollegen sind super!) uns einfach übernommen. Ernüchterung ist das Album, dass ich in der Rückschau am gelungensten finde. Dazu Texte – gerade auf ZwischenWelt – bei denen ich mich frage, ob ich beim Verfassen vielleicht bekifft war?

So vieles, was ich in meinen 20ern gesammelt und mit Begeisterung gehört habe, wurde durch die Zeit entwertet, nicht wegen der Technik – dieses Problem haben fast alle Genre – sondern weil man irgendwie hinter die Sache guckt, der Zauber weg ist, und auch die Tonqualität von damals (wir reden hier u. a. vom Beginn des Loudness War) der Sache keinen Gefallen tut. Wenige Bands haben ihren Status bei mir behalten. Das Ich gehören abstruserweise dazu, Samsas Traum kann mich immer noch begeistern und auch die meisten meiner Mitstreiter. Wenn auch nicht gleiches Genre, so möchte ich an dieser Stelle Burden of Life erwähnen, die IMHO mit jedem Album besser werden. Rockmusik – in all ihren Facetten von Hard bis Indie – hat das Älterwerden übrigens kaum beschädigt!

Aber ich selbst gehöre nicht dazu. Vielleicht macht es Sinn, erstmal 30 zu werden, dann hat man genug Selbstreflexion, dass man Werke auf die Menschheit loslassen kann. Jetzt bin ich fast 40. Die Hardware ist weitestgehend die Selbe. Aber ich bin tatsächlich endlich dabei, mir E-Bass mit Fingerpicking beizubringen. Man ist ja auch noch in der Mitte des Lebens lernfähig. Toni, falls Du das hier liest, Du hast recht, das Gefühl ist ein viel besseres!

Mit den Worten meiner Lebenspartnerin: „Du findest (bei Musik) immer was zu scheissen.“ und wie so oft hat sie Recht. Mein Geschmack ist selektiv, ungewöhnlich und ich glaube nicht schlecht. Allein mir fehlt das Talent….

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