Depression, die Leere und ein Käfer

Kennen Sie coldmirror? Wenn nein, dann sollten Sie sich überlegen, wo Sie die letzten 15 Jahre falsch im Internet abgebogen sind, den Grund warum ich sie erwähne, dürften Sie trotzdem verstehen. Depressionen. Es existiert eine Aussage, was sie da durch getragen hatte: Die Harry Potter Bücher. Immer wenn ein neuer Band erschien „hatte ich etwas worauf ich mich freuen kann“ (paraphr. zit.)

Wie es um mich steht? Ja,wie heißt diese Seite? Aber ich habe es relativ gut getroffen. Ich muss keine Medikamente nehmen, bin nicht chronisch erkrankt, eher habe ich Episoden. Was ich habe, sind diese lustigen Tage, an denen man nicht recht hochkommt, auf nicht so richtig Lust hat, obwohl einem tausend Ideen im Kopf herumspuken. Am Ende fühlt man sich schlecht, weil man nicht hoch kommt, keine Lust hat, obwohl man doch so viele Ideen hätte. Gedankenkreisen wie aus dem Lehrbuch.

Eine bedrohliche Situation kam auf mich zu.  Urlaub. Alleine! Viel zu viel Zeit mit viel zu wenigen Menschen um mich herum, zu vielen Möglichkeiten, zu wenig Antrieb, das Potenzial für eine depressive Episode! Also machte ich mir einen Plan. Einen – zugegebenermaßen – lächerlichen Plan!

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Als Paul das Laufen verlernte

Dieser Beitrag erschien zuerst im November 2019 auf schwesterfraudoktor.de, die auch so freundlich war, den Artikel zu lektorieren.

CN: Beschreibung drastischer medizinischer Maßnahmen

Als Paul zu uns kam, arbeitete ich als Gesundheits- und Krankenpfleger auf einer HNO-Station. Der gute Mann hatte einen längeren Intensivaufenthalt hinter sich und kam direkt aus der Reha. Während der langen Beatmung auf der Intensivstation wurde ein Luftröhrenschnitt gemacht und ein Tracheostoma angelegt, damit die Beatmung nicht dauerhaft über einen Schlauch im Hals erfolgen musste. Unsere Aufgabe sollte es nun sein, aus dem provisorischem ein epithelisiertes – ein dauerhaftes – Stoma zu machen. Paul litt an Trisomie-21 und war für die typische Lebenserwartung bei diesem Syndrom schon ein älterer Herr von Mitte 50. 

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#Pflege – Bitte vergesst uns wieder

Guten Tag, mein Name ist Stefan Si***, es reicht mir, wenn Sie Stefan sagen, bitte nicht Herr Pfleger, das ist so sperrig. Vielleicht hatten Sie einen Unfall, vielleicht leiden Sie an einer chronischen Krankheit, wie auch immer, irgendetwas ist passiert, entweder sind Sie freiwillig gekommen oder wurden gebracht. Ich verstehe, dass Sie sich den Tag anders vorgestellt haben, bestimmt hatten Sie Besseres vor, als Zeit im Krankenhaus zu verbringen. Es ist meine Aufgabe, Sie zu unterstützen und wieder fit für Ihr Zuhause zu bekommen.

So oder so ähnlich gehen in einem die Gedanken, wenn man versucht, sich selbst und seinen Beruf auch mit den Augen des Patienten, des Menschen, gegenüber zu reflektieren. Pflege ist ein Berufsstand, den niemand brauchen will. Ohne darauf einzugehen, wie andere europäische Länder professionelle Pflege für ihre Bürger anbieten, kann man nüchtern und ohne Groll feststellen, dass man uns nicht gerne nötig hat. Man möchte nicht in eine Situation kommen, in der ein dicker Mann wie ich beim Aufstehen, beim Essen und bei den kleinen oder großen Geschäften hilft.

Pflege geniest dennoch einen stabilen Respekt in der Bevölkerung, regelmäßig landen wir bei Beliebtheitsumfragen auf vorderen Plätzen. Taucht man etwas tiefer, kommen Sätze wie „Finde ich toll, ich könnte das nicht“ gut, aus dem gleichen Grund könnte ich kein Tischler sein, es fehlt mir am Können. Ist es neunmalklug, gar fatalistisch, wenn mein Beziehungsohr raushört „Ich will das nicht machen müssen“

Unsere „Kundschaft“ ist signifikant älter und gebrechlicher als der Bevölkerungsschnitt. Besonders fällt das auf, wenn ich mein Krankenhausdenken kurz abstelle und auch an die Kollegen*innen in der ambulanten Pflege und in den Pflegeheimen denke.

Pflege ist ein unzufriedener Beruf. Die Verweildauer ist gering, es gibt einen Ausdruck für das Hinwerfen und die berufliche Neuorientierung: Pflexit. Es existiert keine bundesweite Berufskammer. Wir sind zwar die ersten, die lächelnd vor die Kamera geschleift werden aber sehr weit unten in der „Rangordnung“ im Gesundheitssystem, obwohl wir zahlreichste Berufsgruppe sind.

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And the rain keeps coming down

„Heute ist Karfreitag, stört es dich wenn ich die Johannes Passion von J.S. Bach bei der Arbeit höre?“ ist ein typischer Satz, den man kennt, wenn man mit mir zusammenarbeitet. Musik ist wichtig. Vor allem in einsamen Nachtschichten wenn es draußen ruhig ist und man entweder zu viel oder zu wenig Arbeit hat. Filmsoundtracks, Videospielmusik, klassische Musik wabern leise aus dem Arbeitszimmer der Pflege leise über den Flur ohne jemanden zu wecken, mit der Aufgabe mein Gehirn entspannt aber wach zu halten.

An meiner ersten Arbeitsstelle gab es Doppelstationen, die Stationszimmer waren Rücken an Rücken und meine Kollegin von nebenan kam nach ihrem Rundgang mit besorgtem Blick zu mir herüber und meinte in ihrer herzlich niederbayerischen Art „Stefan, des geht doch niad, dos Du de ganze Nacht dahockst und so a traurige Musi herst. Is irgendwos?“. Als erstes: Das ist echt Kollegialität und Empathie! Als zweites: „Du wuist mir also sagn das des Musik is, die du hörst wennsda gut geht?“ Ja. In dieser Nacht liefen ganz untypisch, The Cure, White Lies und das Album Exorcism von Bella Morte. Alles drei Rockbands mit einer gewissen klanglichen Tiefe, es rockt nicht nur, es schwebt auch und ich liebe es.

Auf dem Album Exorcism ist eines meiner Lieblingslieder überhaupt. Water Through Sand.

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Erweiterte Akkorde – Erklärt mit Broten

Jede*r von uns war irgendwann an dem Punkt, wir haben unser Instrument in die Hand genommen und haben versucht, darauf irgendwas zu spielen. Vorsichtig wurde auf Tasten gedrückt, unbeholfen an Saiten gezupft, mit völlig falscher Technik in Mundstücke geprustet. Wenn es sich um ein begleitendes Instrument handelt dann war unser erster und ewiger Everest der Akkordwechsel. Immer wenn unsere Finger und Hände in Millisekunden von einer zur anderen Stelle springen mussten – am Besten innerhalb von 0,1 Nanosekunden – waren wir uns sicher. Das schaffen wir NIEMALS! Das Instrument mit dem wir begonnen haben war nicht so billig um uns bei der Bedienung im Weg zu stehen, aber eben auch teuer genug um es nicht nach den ersten Versuchen wieder weg zu legen. Und dann schlagen wir das Songbuch unseres Vertrauens auf und lesen sowas:

em / G / D / A7sus4 / C

(Today was gonna be that day….)

Und fragen uns spätestens bei Asiebensus4 was bitte sein soll? Vor allem, wenn ein A-Akkord doch so einfach zu spielen ist, wo soll ich meine Fingerchen noch hinbiegen? Noch immer bin ich deutlich langsamer als die erforderlichen 0,1 Nanosekunden!

Ich möchte erklären, warum sich die Verbiegerei lohnt. Warum es sich sogar sehr lohnt, solche Verdrehungen zu schreiben. Ich werde mich an Basiswissen halten, ich könnte gerne sehr viel mehr schreiben. Wenn ich einen Fachausdruck hinterlasse schreibe ich ihn als *Fachausdruck falls jemand selbst googlen möchte. (Der # ist in der Musik bereits als Symbol belegt)

Und zum besseren Verständnis werde ich das ganze mit Wurstbroten erklären. Auf geht’s!

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Ich möchte mich empören!

((TLDR: Die Bösen werden immer gewinnen, solange die Guten sich gegenseitig zerfleischen))

Ich wohne im Höcke-Land. Regelmäßig befinde ich mich auf Domplätzen, Stadtplätzen und so weiter und brülle zusammen mit vielen Anderen „Nazis raus“ und Ähnliches, einfach nur damit man das dumme Gelaber der „besorgten“ dunkelblaubraunen Brut nicht mehr ertragen muss. Während die AFDer vor sich hinopfern und online Kommentarspalten in schlechtem Deutsch vollschreiben, dass dies eine Einschränkung der Meinungsfreiheit wäre, und wenn der Tag kommt landen wir eh alle im Gas. (sic!)

Ob sich die Intention der Metallspürhunde mit diesem Eintrag deckt kann ich nicht sagen, aber das Lied ist verdammt cool!

Warum also diese Überschrift? Nun, mir fallen zwei große Probleme auf: Hype und In/Out-Group-Denken. Und das leider nicht erst seit gestern.

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Musik ist kein Hobby V2

Niemand, absolut niemand mag Uwe Boll! Ich bin mir nicht mal sicher ob Uwe Boll Uwe Boll mag. Zumindest muss ich ihm aber zugestehen, dass er in den seltenen Momenten, wenn man ihm nicht die Möglichkeit gibt, auf den Boden zu kacken, sondern ihn z.B. durch eine Videothek führt, er liebevoll von objektiv interessanten und ungewöhnlichen Filmen spricht. Geschmack scheint vorhanden zu sein, Talent nicht unbedingt oder zumindest nicht immer.

Screenshot von Rottentomatoes.com

Von diesem Rant gab es eine V1. Diese hätte ich natürlich in diese Version dieses Blogs übertragen können. Doof nur, dass das Problem selbst diesem Rant applaudiert hat. Zugegeben keine ungewöhnliche oder seltene Ironie. Ungewöhnlich auch nicht all die Dinge, die ich in V1 angemahnt habe. Eine sich selbst fressende Kombination aus hochmotivierten „Veranstaltern“, die es nicht verstehen, dass Techniker, Unterkünfte und Benzin tatsächlich Geld kosten und lieber hochharmonisch darauf vertrauen, dass wir in der Szene™ ja alle zusammen gehören; Publikum dass eigentlich nur auf die Aftershowdisco wartet und im unbeachtetem Mittelpunkt: Der Hobbymusiker, gerade das erste Album draussen (natürlich im „eigenen Studio“ aufgenommen, autobiografisch und soooo viel Herzblut) und jetzt vor der Aufgabe stehend, den klanggewordenen Erguss irgendwie live ohne Autotune und Timeshift dahinzuspielen oder die Sache gut genug zu faken. Zweiteres ist übrigens vorzuziehen, weil dann nicht all die Kabel, all die Monitore, all die Verstärker und all die Effekte an all den Keyboards…..*lufthol* …. gerade heute (und natürlich nur heute!) spontan versagen können. Nein, ich habe kein Ladekabel fürs iPad!

Ja, das ist schlecht und bedauerlich und überhaupt. Und die Jugend von heute mit ihren Computern und MP3s klingen eh viel schlechter als Vinyl (nein, tun sie nicht! Googelt „Rauschabstand“) und so weiter, ja alles schlimm! Aber darum schreibe ich das hier alles nicht. 12 Jahre nach ZwischenWelt ist mir, mit gehörigem Abstand zu meinem eigenen Werk etwas aufgefallen: Meine Musik, war größtenteils…… ziemlich schlecht!

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Looks like an Early Winter

Keine Ahnung, wie oft ich es versucht habe. Ich kann mich zumindest an einen Versuch erinnern, den ich einigen Kurskollegen*innen während meiner zweiten Ausbildung vorgespielt habe, es muss also irgendwann zwischen 2011 und 2014 gewesen sein und wahrscheinlich kurz nachdem ich „Hier und am Leben“ fertig hatte.

Ein Lied – zunächst bekannt geworden durch Gwen Stefani – mit einem ziemlich coolen Wechsel von der Bridge in den Refrain. Nach etwas Googlen dann die Erkenntnis: Die hat der Keyboarder der Band Keane geschrieben – eine Band, die in UK groß und bekannt war, in Deutschland wie so üblich nicht besonders. (Wir haben ja Xavier Naidoo und all die anderen „Pop-Poeten“, erinnert mich daran, dass ich über diese Ergüsse bei Gelegenheit ein Tantrum verfasse!)

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Von Bieren und Würsten

Eine kulinarische Besonderheit der Thüringer ist mir schon Jahre vor dem Umzug aufgefallen: Die Liebe des Thüringers zu seinen Fleischwaren. Was dem Bayern sein Bier, ist dem Thüringer seine Wurst. Und das in vergleichbarer Qualität und Liebe zum Traditionsprodukt.

Der Bayer ist, was sein Bier betrifft, ein Purist: Wasser, Gerste, Hopfen. Das wars. Mehr gehört in den güldenen Gerstensaft nicht hinein! Keine Kohlensäure, keine Geschmacksstoffe. Nix!

Wer in Erfurt, Jena, Eisenach oder Gera aus dem Zug steigt muss meist nur wenige Schritte gehen, bevor er die erste Wurstbude antrifft. Die Thüringer Bratwurst MUSS über Holzkohle gegrillt werden. Ob es ein Gesetz gibt, weiß ich nicht, aber für alles andere hat der Thüringer ein hartes Wort: Wurstvergewaltigung!

In eine Semmel, pardon, Brötchen gepackt und mit scharfem Senf serviert und verspeist ist sie damit das Gegenstück zur Bayerischen Leberkässemmel. Auch diese darf höchstens mit Senf verzehrt werden, ob süß oder scharf ist dabei Geschmackssache, doch süßer Senf ist eh so ein „bayerisches Zeug“, das ausserhalb des weißblauen Freistaats ein Nischendahsein fristet. Ketchup ist nur bei Kindern erlaubt, sonst weiß jeder sofort: Du bist a Preiß!

„Du weisst schon, in Thüringen gibts keine Leberkässemmeln mehr!“ war einer der mutlosen Versuche, mir meinen Exodus madig zu machen. Doch weit gefehlt. Sieht die Regensburger Bratwurst gegen die Thüringer bereits wie ein Witz aus, so wird einem beim Genus des Fleischkäsebrötchens eines Gewahr: Der Thüringer will SEHEN, was er da auf seinem Brötchen liegen hat! Gut 200g Fleischkäse zwischen den Semmelhälften zeigen dir sofort wer hier der Boss ist und denk bloß nicht daran, heute noch was Anderes zu essen! „Mehr als eine von uns schaffst Du eh nicht, Schwächling!“

Zum Schluss noch ein Spoiler für Bayerntouristen: Wenn ihr süßen Senf wollt, besteht auf Händlmeier, und wenn ihr dazu eine Weisswurst esst: Ihr müsst das Ding nicht „zuzeln“ (aussaugen), das sagen wir euch Preißn bloß, weil ihr so schön blöd dabei ausseht! Ein beherzter Bauchschnitt, Pelle ab, fertig. Besonders hungrige essen die Pelle mit. Mahlzeit!

Ich, der Migrant

Alles begann im Frühjahr 2015. Ich sollte also nochmals Vater werden. Schön! Es begannen die stressigsten Monate meines Lebens mit dem Ziel, aus der Fernbeziehung doch endlich einen Familienverbund zu machen. Obskurerweise erschien kurz zuvor ein Video der von mir sehr geschätzten Bloggerin und Pflegewissenschaftlerin mauerunkraut

https://youtu.be/GEXVIsBjzBw

Die gute Dame war also vor kurzem aus ihrer Heimat Bayern ins schöne Köln gezogen. Dabei fasste Sie mit Herz UND Augenzwinkern zusammen, wie sie die neue Situation in einer neuen Stadt so empfand.

Was ich da noch nicht wusste: 2017 mussten meine Partnerin und ich uns eingestehen, dass ihre Migrationspläne gescheitert waren. Das Heimweh war schlimmer. Ein paar unschöne Lebensumstände gossen zusätzlich Öl ins Feuer. Also hies es für uns beide – ab (zurück) in das Bundesland, das statistisch die meisten Rückkehrer hat – also Menschen, die wegzogen um dann wieder dorthin zurück zu kehren: Nach THÜRINGEN

…. es kommt keine Pointe – schaut Euch einfach das Video an!