Archiv für den Monat: Dezember 2012

FRESST EURE KINDER! Nerds vs. Crowdfunding

Ich mag Vlogger! Ich liebe KWiNK, AVGN, DORKLY, SCREWATTACK, TGWTG, manchmal YtittY und noch viele viele mehr. Über KWiNK habe ich den begnadeten Singer-Songwriter Tommy Finke kennen gelernt. Tommy ist einer der Künstler, die Crowfunding benutzen – mit dem selben Konzept wurden Filme wie IRON SKY mitfinanziert, Computerspiele wie THE SILVER LINING, und auch der STROMBERG-Film soll via Crowdfunding finanziert werden. Ich selbst habe damals 20 Dollar dafür gespendet, damit PTYL sein Loki-Album fertigstellt und presst. Ich erhielt zwei CDs und eine DVD – great Deal, Baby!Hätte ich hier ein neues SIS-Album fertig rumliegen, ich würde mir das Budget für die Pressung und das Merchzeug funden lassen, wenns nicht klappt wäre nicht schlimm – niemand hätte Geld verloren, niemand müsste weinen.

Vloggin – wo es funktioniert, lebt von Diskussion. Und hier moechte ich – trotz aller Liberalität, die meinem roten Herzen innewohnt – mal die Reissleine ziehen und einen Bogen machen zu den NIN: NIN haben zwei Alben mit den Mechanismen des Web2.0 veroeffentlicht. Danach war für Trent die Sache klar: NIE WIEDER – es laufen zu viele Idioten im Netz frei herum (zitat!).

Ich mag es wenn Meinungen gesammelt und diskutiert werden, auch wenn es kein deutliches Ergebnis gibt. Ich lasse mich gerne inspirieren, brauche aber keine Pixel, die mir sagen was ich denken soll. Und jetzt die Sache worauf ich hinauswill: Warum haben eigentlich so viele Leute mit Webcams eine eigene Meinung, aber keine Ahnung?

Ist es tatsächlich so, wie Trent es angedeutet hat, und viele vielleicht denken? Ist die Schwarmintelligenz am Ende nichts weiter als ein nicht vorhandener Schnittpunkt zwischen Trolls und Fanboys? YT an sich ist schon eine vergewaltigte Community wo mehr Datenklau (ich hoere die Piraten laut aufatmen) als Ausstausch von Kreativität stattfindet.

Jetzt isses soweit: einer der ganz oben genannten hat sich dazu herabgelassen, via Crowdfunding 300k Dollar zu sammeln und hat sich damit einen Traum erfüllt: Er dreht einen Film. Jetzt schreien alle auf: Wird das Geld wirklich nur dafür verwendet? Hat der nicht schon mit Merch genug verdient? Der will Geld in der Phase der Pre-Produktion (ja, wann denn bitte sonst?) – kurz, das System an sich wird in Frage gestellt, meistens mit Fragen, die mit zwei Googleklicks beantwortet sind. Von irgendwelchen Idioten, die aufrühren wollen. Eigenen Meinungen sind gut, aber wenn diese nur aus Destruktivismus zu tun hat, sollte man entweder eine Alternative anbieten, oder schweigen und so ein Philosoph bleiben.

Was ist die Alternative zu Crowdfunding? Mit fällt keine ein. Ich kann mir Projekte aussuchen, bekomme zu einem relative günstigen Beitrag eine Gegenleistung einer Initiative oder eines Produktes. Ich bin dadurch nicht mehr abhängig von irgendwelchen Produzenten, die auch nur Investoren sind, die auf den Markt schielen und sagen: “Wir brauchen nochwas mit Vampiren” / “Wie viele Teile koennen wir aus dem Kinderbuch machen?” / “Diese Horrorverfilmung müssen wir aber FSK12 machen, damit die Kids den auch sehen können” etc. bb.

Was kümmert es mich, wenn irgendjemand, irgendwo irgendwas erschaffen will, was mir nicht gefällt? Leute, wir haben genug Künstler, die scheiße sind! Jeder Künstler weiß, das er gut ist (vor allem die, dies nicht sind!) entweder wir finden uns damit ab, oder wir verschaffen ihnen noch mehr Gehör dadurch, dass wir sie verunglimpfen. Google hoert schließlich alles, Google zählt mit.

Wenn es aber so weit geht, das ein Finanzierungsmodell verunglimpft wird, das uns im Indiebereich endlich neue Finanzierungsmöglichkeiten gibt, in einer Epoche, in der sich kleine Verlage, Labels, Finanzees, nicht mehr an Aussergewöhnliches trauen, weil das Risiko zu hoch ist, dann kann ich nur sagen: Zurück an die Flimmerkiste. Und regt euch ja nicht über Massenware, Copyright-Controll und irgendwelches Unterschichten-TV und Weichspülpop auf, die ihr nur toleriert, weil ihr angeblich nichts besseres finden könnt.

Wegguggen hilft, gewohnte Pfade verlassen hilft noch mehr!