Kinder & Heimat & Kita & Rabeneltern & Vorurteile

Da es heute um ein kompliziertes und nerviges Thema geht, beginnen wir mit den Worten eines Komikers:

Ist Euch eigentlich schon mal aufgefallen, dass es das Wort „Rabeneltern“ nur in post-faschistischen Gesellschaften gibt? In anderen Ländern macht man sich kreativ Gedanken um die Betreuung unserer Jüngsten — Michael Mittermeier in „Achtung Baby“

Kinderbetreuung ist eine große Baustelle! Ich glaube es ist unnötig, zu belegen, dass die Zeiten vorbei sind, in denen einer (meist: Der Mann) das Geld verdient und der Partner (meist: Die Frau) die Herde hütet. Es geht einfach hinten und vorne nicht aus, und der Abstieg von der Mittelschicht zur finanziellen Unterschicht ist ein seeeehr einfacher. Selbst in einer funktionierenden Beziehung. In Bayern scheint diese Erkenntnis noch nicht angekommen zu sein.

Nach dem Elterngeld für die Elternzeit noch Landeserziehungsgeld zu zahlen ist eine nette Geste, wenn der Berufseinstieg sich ungeplant verzögern sollte, aber beim Kitaausbau hinterherzuhinken, dafür eine „Herdprämie“ anzubieten (bzw. ungefragt gleich mal den Antrag per Post zu verschicken – der einzige Antrag der jemals ungefragt zu uns kam) spricht schon dafür, wie es die traditionelle bayerische Familie doch bitte machen soll.

Wer sein Kind vor dem Kindergarten weggibt, schiebt sein Kind eben ab. In der öffentlichen Diskussion hört man so kluge wie inhaltsleere Sätze wie „Ein Kind muss doch erstmal lernen, wer seine Familie und wer seine Heimat ist!“

Die öffentliche Versorgung mit Krabbelstuben, Kindertagesstätten etc. ist somit meistens Sache der Kirchen und Wohlfahrtsverbänden. Im Prinzip also der Privatwirtschaft. Und sie ist schweineteuer und mit einem Beruf mit Schichtsystem schweineumständlich. Ohne Oma und Opa nicht machbar!

Ich hätte es den Bürgern der alten Bundesländer so sehr gegönnt, dass sie auch ein „Wiedervereinigungsgefühl“ gehabt hätten. Zum Beispiel in dem man gesagt hätte: So, und ab dem nächsten Ersten ist die Kinderbetreuung in Gesamtdeutschland kostenfrei — Gregor Gysi

Jetzt nun also in Thüringen: Ich nehme an, dass es auch hier private Anbieter gibt, jedoch gibt es erstmal ein Netz von Einrichtungen, die vom Bundesland getragen werden. Einen Platz zu finden ist auch hier nicht so ganz einfach und es lohnt sich, schon bald nach der Geburt mit dem Anschreiben zu beginnen :/

Durch den staatlichen Träger ergibt sich noch eine weitere nette Eigenschaft: Die Gebühren sind gestaffelt nach Einkommen der Eltern! In Bayern kann man dies beim Jugendamt beantragen, um Zuschüsse zu bekommen, hier ist es die Norm.

Fassen wir zusammen: Hier treffen zwei Ideologien aufeinander: Kindererziehung ist Privatsache vs. Kindererziehung ist Sache der Gesellschaft. Und das Organisation passt sich entsprechend an. Die Umstände des ganzen sind hier und dort nicht ideal, aber seeeehr unterschiedlich ausgeprägt!

„Kinder sind unsere Zukunft“ ist ein schöner Politikersatz. Er klingt schön. Mehr aber auch nicht.

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