Musik ist KEIN Hobby

Das PiccoBello in Regensburg ist eine Instanz. Der Laden ist immer etwas unaufgeräumt, immer voller Gitarren und irgendwo liegt dann doch noch das eine Kabel oder Kästchen, das man heute Ausleihen möchte.

Dass für mich Leihgebühren im mittleren dreistelligen Bereich für Events fällig wurden, ist leider lang vorbei und Besitzer Albert brachte es bei einem meiner letzten Besuche/Einkäufe auf den Punkt: Mit dem ersten Kind ist es dann leider meistens vorbei.

Wie durch Magie habe ich bis Kind drei durchgehalten. Und doch ist meine Biographie nach Soul in Sadness geprägt von ehrgeizigen Projekten gefolgt von schnellen Ausstiegen 🙁

Machen wirs kurz: Die Flinte liegt im Korn. SOULIMAGE wird wohl mein letztes Bandprojekt gewesen sein. Nur neben der Zeit, dem Geld und den Verpflichtungen als Partner und Vater kommt leider noch etwas Anderes, Gravierendes hinzu:

Die Probleme, die mich bei Soul in Sadness schon fertig gemacht haben existieren noch. Und sie wurden schlimmer…..

Stellt Euch Mal vor: Neue Band, Album fertig, zwei wunderbare Freunde und ebenfalls Musiker haben ein cooles Video für dich gedreht. Und du wirst gebucht. Von einem Minifestival in deiner Heimatstadt. Gerne sagst Du zu, Geld sei egal, man habe ja keine Auslagen. Dann wird um einen meiner Bandkontakte gebeten. Eine Band, die ich selbst schon dreimal gebucht habe und die den Headliner stellen soll. Ich stelle den Kontakt gerne her. Techrider werden von a) nach b) gemailt, der Termin fest gemacht, Konditionen vereinbart. Alles gut.

….. Bis der Veranstalter merkt, dass er keine Ahnung von Veranstaltungstechnik hat und fragt ob wir helfen können. Können wir. Also sprechen wir zwei uns vertraute Ton- bzw. Lichttechniker an. Beide hätten Zeit und stellen günstige Konditionen in den Raum. Aber Moment mal? Techniker kosten Geld??? WO SIND WIR DENN HIER? WIR SIND DOCH DIE SZENE(tm) WIR HELFEN UNS DOCH GEGENSEITIG?!!??!

Woher kommt die Einstellung dass jede Dienstleistung, unabhängig von ihrer Qualität, unentgeltlich zu erfolgen hat, da es schließlich um KUNST(tm) geht und Geld, das ist doch die Sprache des Kommerzes(tm)!

Die Sache eskaliert fröhlich vor sich hin. Eine Woche vorher stellen wir ein Ultimatum, sollte nicht bis dann und dann das Geld für die Techniker da sein ist ein Auftritt nicht möglich. Isso. Licht und Mischpult bedienen sich nicht von selbst und nein, es mischt niemand von uns die Hauptband, nach einem Auftritt ist man dazu geistig und motorisch einfach nicht in der Lage!

Am Auftrittstag managen wir als gebuchte Band Ablauf, Bühnenbild, Zeitplan, man gönnt sich ja sonst nix. Allerdings erst nachdem wir eine Stunde vor der Location warten, weil der Veranstalter nicht da ist und seine Helfer keinen Schlüssel haben.

Am Ende unseres Sets bitte ich das Publikum, sich umzudrehen und auch Max und Jan am Ton- und Lichtpult ihren Beifall zu zollen, denn sie sind dafür verantwortlich, dass wir „hier oben gut klingen und gut aussehen!“

Am Ende des Headlinersets lässt sich der Veranstalter feiern und verkündet wie toll das hier alles ist.

Ja. Toll. Und dabei nicht mal besonders aussergewöhnlich sondern sogar erschreckend normal. Zum einen wird fast immer von kleinen Bands verlangt, sich über Gebühr im Veranstaltungsmanagement zu engagieren, weil wir ja „die Szene“(tm) sind und uns alle so super lieb haben und alles an Wissen und Können teilen. Deine/meine/unsere guten Kontakte.

Aber drehen wirs mal auch von den Veranstaltern weg und sprechen über die Masse an selbsterklärten Rockstars, die nicht pünktlich kommen, die Hälfte ihres Equipments nicht dabei haben oder nicht ordentlich bedienen können und den Backstageraum – in dem Du eigentlich deine Ruhe vor dem Sturm haben willst – in einer Party- und Drogenhöhle verwandeln.

Dazu ein kleines Lehrvideo aus Kanada:

Und wer sich das Videostück zu Ende angesehen hat wird sich denken: Ja, aber das sind doch Dinge, die einem der gesunde Menschenverstand diktiert?

Ja, nur das gesunder Menschenverstand einfach nicht existiert! Musik ist kein verdammtes Hobby! Musik macht man ordentlich oder man lässt es und vor allem man geht niemanden damit auf den Sack verdammt nochmal! Wir haben im Indiebereich einen sehr ausgeprägten Amateurstatus: Leute die sich den Arsch aufreissen und die Arbeit auf der Bühne, Hinter dem Mischpult und um ein Event herum nicht nur lieben, sondern diese Liebe auch Gewissenhaftigkeit umwandeln können! UnArt z.B. ist ein Beispiel, dass mir auch ewig positiv in Erinnerung bleiben wird und auch Angie’s Events im From Hell!

Nur kommt auf jede gute Band, jeden guten Veranstalter ein Duzend Arschlöcher! Apropos Arschlöcher: Wir alle kennen diese eine große erfolgreiche Band, die ihren eigenen Backstageraum will, ihr Zeug auf die Bühne aufbaut und dann keine Veränderung mehr duldet. Das mag jetzt überraschend kommen: Ich verstehe das! Die hatten genug Scheiss in ihrem Bühnenleben erlebt, irgendwann ist einfach gut.

Ein Gedanke zu „Musik ist KEIN Hobby“

  1. Das hat jetzt ca. drei eigene und zwei andere Alben sowie zahlreiche Auftritte gedauert bis dir das klar wurde???

    Aber….. besser spät als Nie!!!!

    Ich fand immer das Du ein guter Sänger/Songwriter warst und Du hast das auch oft unter beweis gestellt……

    Gescheitert bist Du wenn überhaupt nur an Deinen Eigenen Emotionen….. den Ängsten nicht zu gefallen ……..oder einfach an der Tatsache immer etwas mehr zu wollen als tatsächlich ging.

    Das geht Uns Allen so…….das ist das Leben!!! Niemand gefällt Jedem und Überall.

    Musik ist ein Geschäft sobald da Profi oder Erfolg davor steht….. und auch der ist gemacht durch den Faktor Geld zum Ruhm gepushed!.

    Mit Geld läst sich auch der letzte Scheiß toll ausproduzieren und die Werbetrommel rühren.

    Ist eigentlich egal was für Musik man hört, wenn man mal schaut was Erfolgreich ist…..und dann mal prüft warum eigentlich, ist das oft immer die selbe Nummer….. Geld hat das Ding gepushed.

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