on Tour: Transit Poetry / Berlin 25.März 2011

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Morgens um 4 ist die Welt kalt. Und dunkel. Auch in Bayern, und gerade in Regensburg, wo sich um diese Jahreszeit die schönsten Nebelfelder Ostbayerns zusammenrotten. Der Plan sieht so aus: Ich steige in den Zug, bin um halb sieben in Fürth, wo mich Andrei Alexandru im Auto mit nach Berlin nimmt. Dann dürften wir gegen Mittag in der Bundeshauptstadt sein und werden keinen Freitagfeierabendverkehr erleben müssen.

Die Fahrt is lang… viel zu lang… Berlin ist einfach zu weit weg – und da sich der Bayer an sich eh nur sehr selten über die Mittelgebirge traut, versuche ich zu schlafen. Das geht aber aus zwei guten Gründen nicht: Zum einen habe ich Andrei jetzt über drei Jahre nicht gesehen, weil Transit solange nicht mehr gespielt haben, und er das letzte Mal auch nicht dabei war. Und zum anderen habe ich durch meine Arbeit bedingt einen Bewegungsbedarf von ca. 20 Kilometern am Tag, sodass ich bei jedem Rastplatz erstmal meine Runden drehe, um Beine und Kopf zu beschäftigen.

In Berlin angekommen (es wurde halb eins – also super!) machen sich Andrei samt Freundin erstmal auf zum Shoppen und ich vergesse immer wieder, dass Sascha zwei ausgewachsene süße Kätzchen hat. Eine Allergie habe ich keine – etwas viel Schlimmeres – ich leide seit meiner Jugend unter Katzenphobie! Nein, das ist nicht lustig, und auch nicht ungewöhnlich – viele Menschen haben Angst vor unterschiedlichsten Tieren, meistens Spinnen oder Mäuse, bei mir sinds Katzen. Mit dem Mut des Rock’n Rollers postiere ich mein Gepäck in Saschas Wohnung.

Svana und Juuri erscheinen zur Generalprobe – Svana kenne ich bislang nicht, und die sympatische Berlinerin spielt nicht nur einen angenehm knarrzigen Vintage-Gitarrensound, sondern hat auch einen super derben Dialekt. Da ich müde bin, ist mein Hochdeutsch deutlich von einem satten Mittelbayerisch durchzogen – Sprachsalat ist also vorprogrammiert.

Vielleicht liegt es daran, das sowohl Sascha als auch ich Tontechniker sind – auf jeden Fall passiert UNS im K17 später genau dass, wofür wir so manche Musikantentruppe oft leise, manchmal auf laut, verflucht haben: Das Stromkabel des Synthies fehlt, die Soundkarte vom Laptop ist im Arsch und meine vorprogrammierten Basssounds sind allesamt zu fett! Aber wenigstens haben wir – ganz die Profis – wenigstens den Anstand das Desaster nach wenigen Minuten zu beenden und erstmal die anderen machen zu lassen. Und Sascha fährt “mal eben” heim und sagt das er in einer Stunde wieder da ist (Berlin ist ja zum Glück klein – von Friedrichshain nach Pandow sinds schlappe 9 Kilometer!)

Eine Stunde später – inzwischen hat sich meine beste Freundin aus Thüringen durch Berlin zum K17 gequält – ist der Einlass schon “geschehen”, ich laufe noch in Zivil rum, von Sascha noch keine Spur, Andrei is auch irgendwo, und ich erkenne Svana nicht mehr (ups peinlich… was so eine geänderte Frisur ausrichten kann).

Zum Thema Svana kann ich auch leicht wieder auf das Thema Sprache umleiten: Da ich keinen Alhohol trinke verwende ich zwei Biermarken (von meinen vieren) auf den Erwerb zweier alkoholfreien Gerstensäfte – Zwei deshalb, weil man als Bayer 0.5 Liter gewohnt ist und 0.33 einfach ein Witz ist – doch dazu später mehr.

Die erste Band Herzfeind spielt astreinen Electropunk mit analogem Schlagzeug, zwei rotzigen männlich/weiblichen Stimmen, guten Songs, lockerer Performance (und am nächsten Tag im FB angeklickt und “gefällt mir” gedrückt) – Tut es mir gleich, hört euch das an!

Dem Tontechniker, bei dem wir es uns schon verscherzt hatten zeigen wir in einem 3-Minuten-Soundcheck, das wir nicht so doof sind, wie unsere Technik und legen los. Ungefähr ab der Hälfte des Sets beginnen die Berliner sich zu bewegen – das sehe ich mal als Erfolg an, da das Publikum hier einiges gewöhnt ist, und wer die Skepsis bricht, hat schon was erreicht. Außerdem gröhlen und Klatschen die Versammelten doch sehr angenehm laut. Das Brot des Künstlers – eine ordentliche Brotzeit ist es geworden.

Natürlich habe ich mir für die Bühne nochmals zwei Gerstentees geholt – und merke gegen Ende, dass ich auf einmal ganz gewaltig Kopfweh bekomme. Weil es wohl ein Verständigungsproblem gab – und mein Alkoholfreies nicht alkoholfrei war. Naja… passiert, das überlebe ich auch noch! Das Konzert lief gut, wir versammeln uns am Merch, wo ich Sätze wie “Redet der immer so?” Über mich mitbekomme, da mein Hirnareal zum Sprechen ohne Dialekt sich schlafen gelegt hat *fg*

Vom Headliner “Traumtaenzer” bekomme ich leider auch nichts mehr mit. Der Abend war nett, die Gäste, mit denen wir am Merch begegnen freundlich und interessiert, am meisten freut es mich, Anja wieder zu sehen. Nachdem ich meine “Alltagshose” vergesse (und wieder zurückgefahren werden muss). Fahren wir alle zu Sascha und der Tag ist nach 22 Stunden zu Ende. Morgen wird vegan gefrührstückt.

Gute Nacht Berlin – diesmal wars nett, hoffentlich bis bald!

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